In einer Welt, in der die Medizin sich zunehmend spezialisiert und sich in immer kleinteiligere Fachbereiche aufspaltet, gewinnt die ganzheitliche Betrachtung des Menschen immer mehr an Bedeutung.
Gerade im Bereich der Laboranalysen, einem der grundlegenden Werkzeuge der modernen Medizin, zeigt sich, dass eine rein schulmedizinische Interpretation von Laborwerten zwar von unschätzbarem Wert ist, jedoch nicht immer das vollständige Bild eines Menschen und seiner Gesundheit widerspiegelt. Hier setzt die ganzheitliche Labordiagnostik an.
Laborwerte sind mehr als nur Zahlen auf einem Papier; sie sind ein Spiegel der komplexen, physiologischen Prozesse, die in jedem Moment in unserem Körper stattfinden.
Die schulmedizinische Sichtweise klassifiziert diese Werte oft in einfache Kategorien von “gesund” oder “krank”, basierend auf vordefinierten Normbereichen. Doch diese Herangehensweise lässt wenig Raum für die individuellen Variationen und die Dynamik des menschlichen Organismus. Ganzheitliche und naturheilkundliche Perspektiven erweitern diesen Blickwinkel, indem sie nicht nur die Laborwerte selbst, sondern auch die Wechselwirkungen und Zusammenhänge zwischen verschiedenen physiologischen Prozessen im Organismus berücksichtigt.
Bei der ganzheitlichen Interpretation von Laborwerten geht es darum, zu erkennen, dass jeder Wert Teil eines größeren Ganzen ist – eines dynamischen Systems, in dem alles miteinander verbunden ist. Durch die ganzheitliche Betrachtung von Laborwerten können wir lernen, die Sprache des Körpers besser zu verstehen und die subtilen Zeichen zu deuten, die uns Hinweise auf ein umfassendes Wohlbefinden geben.
Durch die ganzheitliche Betrachtung von Laborwerten können wir lernen, die Sprache des Körpers besser zu verstehen und die subtilen Zeichen zu deuten, die uns Hinweise auf ein umfassendes Wohlbefinden geben.
Interpretation der Laborwerte – die Ampeldiagnostik
Blut, der besondere Saft, beherbergt eine Menge Geheimnisse. Um ihm diese zu entlocken, werden die Blutwerte in der Methode »Labor ganzheitlich« nach klinischen (wie es die Schulmedizin handhabt), naturheilkundlichen und ganzheitlichen Gesichtspunkten interpretiert.
Damit auch der Patient diese Sichtweise nachvollziehen kann und er die Möglichkeit hat, die Laborwerte zu verstehen, hat »Labor ganzheitlich« eine spezielle grafische Darstellung in Form einer Ampeldiagnostik gewählt. Sie unterscheidet sich – durch diese Verbildlichung, nicht durch die Messergebnisse – vom gedanklichen Ansatz aller grafischen Darstellungen anderer Labore.
Um frühzeitig mögliche Hinweise auf Störungen im Stoffwechsel oder funktionelle Organbelastungen zu erhalten, ist der Normbereich der klinischen Vorgabe bei »Labor ganzheitlich« in drei einzelne Abschnitte unterteilt.
Der grüne Balken markiert den unbedenklichen Wertebereich (Optimum), der an den Rändern jedoch kontinuierlich in einen gelben Warnbereich (Regulationsstörung) übergeht und schließlich in einen roten Alarmbereich (klinische Störung) ausläuft. Das klassische Schwarz-Weiß-Schema, das nur ein Innerhalb oder Außerhalb des Normbereichs zulässt, wird dadurch um wertvolle Nuancen der Betrachtungen bereichert. So lassen sich bereits frühzeitig Tendenzen einer Stoffwechselentgleisung oder Schwächen einzelner Organe erkennen.
Wurden deine Laborwerte nicht von der Laborgemeinschaft für ganzheitliche Medizin in Hamburg ermittelt, kannst du die Drittelung des Normbereichs grob selbst vornehmen. Prüfe einfach, ob der bei deinem Patienten gemessene Laborwert sich im Normbereich mehr am unteren Mindestwert oder am oberen Maximalwert befindet. Ist dem so, dann besteht ein Hinweis für eine regulative Störung im Organismus, oder besser gesagt, mit der Aussage des Laborwertes ist dein Patient nicht krank, aber auch nicht mehr ganz gesund.
Der weitere und entscheidende Unterschied zur klassischen Laboranalyse liegt in der analog sinnhaften Deutung der einzelnen Werte. Wenn wir davon ausgehen, dass Körper, Seele und Geist eine Einheit sind, finden alle körperlichen Symptome oder physiologisch ablaufenden Prozesse auch analog auf seelisch-geistiger Ebene statt.
Jeder einzelne Tropfen Blut enthält die Information des ganzen Menschen. Laborwerte werden also nicht mehr nur funktionell interpretiert, sondern als Ausdruck bestimmter Lebensprozesse -bedürfnisse oder Organaktivitäten betrachtet. Lassen Sie mich das durch einige Beispiele erläutern.
Vitamin B12 – der Erneuerungsprozess
Vitamin B12 ist im Körper unter anderem für die Zellerneuerung erforderlich. Bei einem Mangel an diesem Vitamin ist die Zellerneuerung verlangsamt. Die Folge sind überalterte Körperzellen. Der Betroffene könnte frischer aussehen und sich vitaler fühlen, wäre genug Vitamin B12 vorhanden.
So wie die Erneuerung auf körperlicher Ebene reduziert ist, finden wie auf seelisch-geistiger Ebene parallel ebenfalls eine verminderte Bereitschaft zur Erneuerung. Das kann sich dadurch ausdrücken, dass es dem Betroffenen schwerfällt, Ideen in Tat und Handlung umzusetzen.
Wird das Vitamin B12 – Depot wieder aufgefüllt, verbessert sich auf körperlicher Ebene die Zellteilung und parallel dazu fällt es dem Patienten auf seelisch-geistiger Ebene leichter, seine Vorsätze und Ziele umzusetzen. Er kommt aus der „Man-müsste-mal“ Situation in die Umsetzung und Handlung.
Bleibt die Frage noch offen, woher kommt der Vitaminmangel?
Der erste gedankliche Ansatzpunkt ist in der Regel, dass es an einer verminderten Zufuhr liegt. Schauen wir uns den Stoffwechsel im Laborbefund etwas genauer an, wird schnell deutlich, dass die Ursache fast immer im Darm zu finden ist. Das Darmmilieu, das leicht sauer sein sollte, ist bei vielen Menschen zu alkalisch.
Das hat zur Folge, dass die Enzyme im Stoffwechsel nicht die ihr gedachten Aufgaben voll erfüllen können. Die Ursache für den alkalischen Darm liegt häufig in der mangelnden Aktivität des Magens (Magensäuremangel), der Bauchspeicheldrüse oder des Leber-Galle-Systems. Diese Organe werden nicht mobilisiert, wenn zu wenig gekaut wird oder in der Nahrung der Anteil der Bitterstoffe fehlt.
Durch die ganzheitliche Interpretation der Laborwerte wird deutlich, dass der Ansatz in der Therapie über die Ernährung und Ernährungsweise gesteuert werden kann. Zur Anregung der Verdauungsdrüsen haben sich Bitterstoffe bewährt.
Cholesterin, Thrombozyten und Cholinesterase:
Schutz und Verarbeitung
Für die Entwicklung und Entfaltung innerer Qualitäten, ist eine schützende Umgebung wichtig. Vielen von euch wird es aus dem Elterndasein und dem Beschützen und Behüten der Kinder kennen. Diese Gesetzmäßigkeit gilt allerdings nicht nur für Kinder. Wir benötigen sie bis ins hohe Alter.
Sind die äußeren Einflüsse zu übermächtig, fehlt die Fähigkeit, sich gegenüber emotionalen und physischen Ausbeutungen angemessen abzugrenzen, wird der nicht selbstbestimmte Mensch zum Spielball seiner Umgebung. Im Laborbefund gibt es dazu verschiedene Blutwerte, auf die ich näher eingehen möchte.
Cholesterin – unser Zellschutz
Physiologisch schützt sich jede Körperzelle gegen eine Bedrohung von außen durch den Einbau von Cholesterin in die Zellmembran. Das geschieht physiologisch bei einer kohlenhydratlastigen Ernährungsweise durch den ständig zu hohen Insulinspiegel im Organismus, bei Dauerstress, allen Entzündungen und durch körperliche (Giftstoffe) und seelisch geistige (Mitmenschen) Belastungen aus der Umwelt.
In allen Fällen erhöht die Leber den Anteil des zellmembranschützenden Cholesterins. Besteht ein guter Zellschutz, dann ist auch die Psyche des Menschen gut behütet. Im Laborbefund steigt das LDL-Cholesterin, während sich das HDL-Cholesterin durch den erhöhten Verbrauch vermindert.
Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist ein niedriger Cholesterinspiegel mit einem geringen Schutz gegenüber äußeren Einflüssen gleichzusetzen. Diesen finden wir physiologisch und nachvollziehbar bei Kindern. Wir erleben sie als offen und aufnahmefähig. Alles ist für sie neu, interessant und spannend.
Die Neugierde und Aufnahmefähigkeit lassen bei den meisten Menschen im Alter nach. Anstelle der Flexibilität kommt es zum Rückzug und zur Verschlossenheit, bis hin zur psychischen Starre. Die kognitive und metabolische Flexibilität lässt nach. Erkennbar ist dieser Prozess an sklerotisch-degenerativen Erkrankungen, wie beispielsweise Arteriosklerose, Alzheimer oder Demenz.
Thrombozyten – der innere Schutz
Eine weitere Schutzfunktion bieten die Thrombozyten. Ihre Aufgabe ist es, bei Verletzungen die Blutung zu stillen. Thrombozyten verschließen gemeinsamen mit einigen anderen Faktoren die beschädigten Gefäße.
Diesen Schutz, der tief im Inneren unseres Körpers angesiedelt ist, sehe ich in ihrer analogen Bedeutung als weiteren Schutzwall.
Menschen mit einem geringen Cholesterinhaushalt sind sehr durchlässig und sensitiv. Mit ihrer hohen Wahrnehmungsfähigkeit saugen sie alle Geschehnisse ungefiltert wie ein Schwamm in sich auf. Schon allein nach Betreten eines Raumes sind sie in der Lage, die dort befindliche Stimmung zu erfühlen.
Sie nehmen sie wie durch feine Antennen wahr. Ist bei diesen Menschen zusätzlich noch die Thrombozytenanzahl gering, sind sie sehr mitfühlend. Sie spüren den Schmerz, die Trauer oder die Freude ihres Gegenübers tief im Herzen.
Cholinesterase – die Verarbeitung
Die Leber ist das Organ der Wandlung, Veränderung und Erneuerung. Die Leberleistung und damit die Fähigkeit zur Verarbeitung aufgenommener Reize, gibt der Leberwert Cholinesterase Auskunft.
Ist dieser Wert niedrig, so werden alle Reize, stofflich und feinstofflich langsam und gründlich verarbeitet. Bei geringem Cholesterin und niedriger Cholinesterase kann es daher sehr leicht zu einer Überforderung in der Verarbeitung kommen. Dieser Zustand verstärkt sich noch zusätzlich bei geringer Thrombozytenanzahl. Der Stoffwechsel steht in diesem Fall unter Dauerstress.
In dem dargestellten Laborbeispiel von Marianne, 28 Jahre alt, finden wir die beschriebene Situation: Niedriges Cholesterin, niedrige Anzahl an Thrombozyten und eine reduzierte Cholinesterase. Marianne ist sehr empfindsam und reagiert sensibel auf äußere Reize. Das drückt sich bei ihr körperlich durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Migräne aus. Auf feinstofflicher Ebene benötigt sie Ruhe und die Möglichkeit des Rückzugs, um das Erlebte verarbeiten zu können.
In der Sprechstunde erlebe ich es sehr häufig, dass sensible Menschen einen Rückzugsort benötigen, um die vielen wahrgenommenen Eindrücke zu verarbeiten. Werden bei Überforderung die Signale des Körpers ignoriert, ist es nicht selten, dass der Organismus durch eine Erkrankung selbst für Ruhe und Besinnung sorgt. Die Migräne ist dafür ein gutes Beispiel.
Die Migräne ist keine Erkrankung, sondern ein Symptom, das durch einen Energiemangel im Gehirn entsteht. Dafür gibt es viele Auslöser, aber nur eine Ursache: Unterzuckerung (Hypoglycämie) im Gehirn.
Schutz und Verarbeitung:
Hilfe aus der Pflanzenwelt und der Homöopathie
Die Pflanzenwelt und die Homöopathie schenken uns Mittel, die den Schutz gegenüber äußeren Einflüssen verstärken und die Verarbeitung aufgenommener Reize auf körperlicher und seelisch-geistiger Ebene intensivieren.
So ist beispielsweise Engelwurz (Angelika archangelica) eine Pflanze, die uns umhüllt wie ein Kokon. Sie schützt uns vor äußeren Einflüssen, damit wir die eigene Struktur wiederfinden und unsere innere Stimme besser wahrnehmen können.
Eine weitere Möglichkeit ist das homöopathische Mittel Amnion D30 (Wala). Es ist die Eihaut in potenzierter Form, die uns während der Schwangerschaft umhüllt und damit geschützt hat. Bei allen Erkrankungen der »Hülle« (Hauterkrankungen) oder bei der Schwäche, sich emotional abzugrenzen, schenkt uns Amnion Wärme, Sicherheit, Urvertrauen und Lebenskraft, als Grundlage, den eigenen Weg gehen können.
Für den Aspekt der Abgrenzung und der Stärkung des eigenen Selbst verordne ich häufig die Kombination aus der Wegwarte (Cichorium intybus) und vegetabilisiertem Blei, Cichorium Plumbo cultum D3 (Weleda). Die Wegwarte, die am Wegesrand wartet, uns den Weg zu weisen, den Weg zu uns selbst, ist eine wertvolle Hilfe, die persönlichen Fähigkeiten zu erkennen, den eigenen Weg zu finden und zu gehen. Es ist ein Begleiter auf dem Weg zu uns selbst.
Auf körperlicher Ebene unterstützt die Wegwarte die Galle, die Bauchspeicheldrüse und den Darm. Es ist die Pflanze für den Oberbauch, über den die Verdauungs- und Abwehrkräfte stabilisiert werden. Das im Mittel enthaltene vegetabilisierte Blei stärkt die Milztätigkeit im Sinne einer Abschirmung des Organismus von der Außenwelt.
Für die Verarbeitung der stofflichen und feinstofflichen Einflüsse entscheide ich mich fast immer für den mit Zinnwasser gedüngten Löwenzahn, Taraxacum Stanno cultum in der Potenz D2 oder als wässrigen Auszug (Rh) in der Potenz D3 von Weleda.
Der Löwenzahn ist eine sehr starke Pflanze, die uns die Kraft gibt, sich im Leben zu behaupten. Gleichzeitig unterstützt sie die Wandlungskräfte in uns, steigert die Kreativität und fördert die Erneuerung.
Durch das vegetabilisierte Zinn (Stannum) wird die Arbeitsleistung der Leber gestärkt und alle Aufbau-, Regenerations- und Heilungsprozesse unterstützt. Seelisch betrachtet bildet die gesunde Leberfunktion die Grundlage der Empfindung von vitaler Kraft und Stärke.
Systemische Betrachtungsweise
Die analoge psychische Interpretation ist nur eine Seite der ganzheitlichen Laborinterpretation. Bedeutsam ist auch die systemische Betrachtung der organischen Funktionen untereinander. So kann eine Störung der Schilddrüse durch einen Eisenmangel, Kupferüberschuss, Progesteronmangel, Jodmangel, Stau im Gallenfluss oder einem löchrigen Darm (Leaky Gut) ausgelöst werden. Durch eine umfangreiche Vital- und Stoffwechselanalyse lässt sich sicher herausfinden, was der Auslöser der Schilddrüsenstörung ist.
Zusammenhänge zu erkennen, ermöglichen einen erweiterten therapeutischen Ansatzpunkt. Diese ganzheitliche Sichtweise macht Medizin zu einem individuellen Betrachten und Erkennen des Patienten.
Der Körper ist ein fantastisch funktionierendes System, in dem alles miteinander verbunden ist und erst gemeinsam eine Einheit ergibt. „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“, sagte bereits Aristoteles (384-322 v. Chr.).