Wirkliche Krebsvorsorge beginnt im Stoffwechsel

Labormedizin

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Autor: lothar ursinus

Vorsorge oder Krebssuche?

Wenn ich in meiner Praxis mit Patientinnen und Patienten über Vorsorge spreche, höre ich oft: „Ich war doch zur Mammographie“ , „Mein PSA ist in Ordnung“, „Die Koloskopie war unauffällig. “ Diese Sätze klingen nach Sicherheit. Sie klingen nach Vorsorge. Aber wenn ich genauer hinschaue, ist das, was die Schulmedizin als „Krebsvorsorge“ anbietet, in Wahrheit etwas ganz anderes: Es ist die Suche nach einem bereits entstandenen Krebsgeschehen. Wer einen Tumor in der Mammographie erkennt oder einen Polypen in der Koloskopie entfernt, sorgt nicht vor, er findet etwas, das längst da ist. 

Echte Vorsorge muss früher ansetzen. Sie muss da beginnen, wo der Stoffwechsel zu kippen beginnt, lange bevor sich Zellen krebsartig verändern. Genau diesen Anspruch erhebt die Methode, die ich in über 40 Jahren Praxistätigkeit zusammen mit vielen Kolleginnen und Kollegen entwickelt habe und die ich Labor ganzheitlich nenne. Im Zentrum steht eine einfache, aber konsequente Verschiebung der Sichtweise: Was die klassische Labormedizin als „Norm“ definiert, betrachte ich als ein viel zu grobes Raster. Wo eine Schwarz-Weiß-Logik nur „normal oder krank“ kennt, lese ich drei Drittel, und nur das mittlere ist wirklich gesund.

In diesem Artikel lege ich offen, warum ich die Routine-Untersuchungen der Krebsfrüherkennung, also Mammographie, Koloskopie, PSA-Test, Hautkrebs- und gynäkologisches Screening, nicht für die beste Form der Vorsorge halte. Ich tue das nicht aus Prinzip gegen die Schulmedizin, sondern weil ich die Belege auf beiden Seiten kenne. Und ich zeige, was an ihre Stelle treten kann: eine Vorsorge, die ihren Namen verdient.

Was Vorsorge wirklich bedeutet

Krebs entsteht nicht über Nacht. Bevor eine einzige Zelle entartet, hat der Stoffwechsel oft jahrzehntelang Warnsignale gesendet. Otto Warburg hat schon in den 1920er-Jahren gezeigt, dass Krebszellen ihre Energie nicht in den Mitochondrien gewinnen, sondern in der Gärung, einem urzeitlichen Notprogramm der Zelle. In meinem Buch »Blutwerte ganzheitlich interpretieren« beschreibe ich diesen Übergang vom gesunden zum kranken Stoffwechsel als Krebsstoffwechsel: Wenn Kalium und Magnesium in den Körperzellen fehlen, kann die Zelle ihre Energie nicht mehr in den Kraftwerken (Mitochondrien) erzeugen, sondern weicht auf das Cytosol aus. Genau dieser Zustand ist die metabolische Vorstufe einer bösartigen Entartung.

Volker Fintelmann, der Altmeister der anthroposophischen Onkologie, spricht in diesem Zusammenhang von einer Kanzeroseneigung, einer Disposition, die sich Jahre vor jeder Diagnose abzeichnet. Die Münchner Ärztin Waltraut Fryda hat in ihrem Buch »Adrenalinmangel als Ursache der Krebsentstehung« eine ähnliche Spur verfolgt: Sie sah die geschwächte Nebenniere und das daraus folgende Wärmedefizit als zentralen Treiber. Auch die Traditionelle Chinesische Medizin kennt Krebs als Kälteerkrankung. So unterschiedlich diese Schulen klingen, sie zeigen alle in dieselbe Richtung: Krebs ist der Endpunkt einer langen, zunächst leisen Entgleisung.

Wer den Begriff Vorsorge ernst nimmt, muss diese Entgleisung sehen können, bevor sie ein Tumor wird. Das ist die eigentliche Aufgabe, und sie wird von Mammographie, Koloskopie und PSA per Definition nicht geleistet.

Der blinde Fleck der Krebsfrüherkennung: Schaden statt Schutz?

Ich möchte hier nicht polemisch werden. Eine Mammographie kann im Einzelfall Leben retten, eine Koloskopie kann einen Polypen entfernen, der sich sonst zu einem Karzinom entwickelt hätte. Doch die systematische Bilanz dieser Programme sieht anders aus, als die meisten Patienten denken. Ich fasse zusammen, was die Cochrane-Übersichtsarbeiten und unabhängige Auswertungen zeigen.

Mammographie: ein verwirrendes Verhältnis von Nutzen und Schaden

Der von Peter Gøtzsche geleitete Cochrane-Review, der auf sieben randomisierten Studien mit etwa 600.000 Frauen basiert, kommt zu einer für viele unbequemen Bilanz: Wenn 2.000 Frauen über zehn Jahre regelmäßig am Mammographie-Screening teilnehmen, wird eine einzige Frau vor dem Brustkrebstod bewahrt. Im selben Zeitraum werden aber zehn gesunde Frauen überdiagnostiziert und überbehandelt; sie erhalten Operationen, Bestrahlungen oder Chemotherapien wegen eines Tumors, der sie zu Lebzeiten nicht beeinträchtigt hätte. Über 200 Frauen erleben erhebliche psychische Belastungen durch falsch-positive Befunde.

Die Strahlendosis liegt nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz bei 0,2 bis 0,4 mSv pro Untersuchung. Sie gilt als gering, ist aber nicht null. Das BfS selbst beziffert die zusätzliche Lebenszeitrisikoerhöhung für Brustkrebs durch das Screening auf etwa 0,03 Prozent. Wer Vorsorge sagt, sollte auch bedenken: Hier wird strahlenempfindliches Drüsengewebe alle zwei Jahre einer ionisierenden Strahlung ausgesetzt, und das über Jahrzehnte.

Koloskopie: ein Eingriff in die Wurzel der Gesundheit

Die Koloskopie gilt als technisch sicher: Schwere Blutungen treten in 0,2 bis 0,3 Prozent der Fälle auf, Perforationen in 0,01 bis 0,1 Prozent. Diese Zahlen sind klein, aber sie sind nicht das ganze Bild. Eine Studie in Cell Reports Medicine hat gezeigt, dass die Darmreinigung mit Polyethylenglykol die schützende Schleimschicht vorübergehend schwächt, nützliche Darmbakterien reduziert und die Bildung kurzkettiger Fettsäuren absenkt. Bis zu 80 Prozent der Untersuchten klagen anschließend über Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen oder Verstopfung, manchmal über Wochen.

In meinem Verständnis ist der Darm die Wurzel der Gesundheit. Ein Eingriff, der diese Wurzel auch nur vorübergehend schwächt, kann nicht als unkritische Routinemaßnahme verstanden werden. Hinzu kommt das Risiko der Sedierung mit Propofol, mit allen kreislauf- und atemdepressiven Wirkungen, die bei älteren Patienten relevant sind.

PSA-Test: viel Lärm um wenig Nutzen

Der Cochrane-Review zum PSA-Screening hat fünf randomisierte Studien mit über 341.000 Männern ausgewertet. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Gesamtsterblichkeit wird durch das Screening nicht gesenkt. Auch die prostatakrebsspezifische Sterblichkeit zeigte in der Metaanalyse keine statistisch signifikante Reduktion. Gleichzeitig liegt die Überdiagnoserate bei bis zu 40 bis 50 Prozent: Fast jeder zweite Mann mit einem durch PSA entdeckten Prostatakarzinom hätte ohne Screening nichts davon bemerkt, weder zu Lebzeiten noch beim Ableben aus anderer Ursache.

Die Folgen der Übertherapie sind dagegen sehr real: Inkontinenz, Erektionsstörungen, Infektionen nach Biopsien. Wer einem Mann Vorsorge anbietet und ihm dabei die mögliche Inkontinenz nicht offen ins Gespräch legt, betreibt nach meinem Verständnis keine Aufklärung, sondern Routine.

Hautkrebs- und gynäkologisches Screening: ein gemischtes Bild

Beim Hautkrebs-Screening kommt die Cochrane-Bewertung zu einem zurückhaltenden Schluss: Es ist unklar, ob das Screening schwere Erkrankungsverläufe oder Todesfälle verhindern kann. Auch hier ist Überdiagnose ein bekanntes Problem: Hautveränderungen werden entfernt, die zu Lebzeiten nie gefährlich geworden wären.

Beim Pap- und HPV-Test wird der Nutzen für die Verhinderung des Zervixkarzinoms grundsätzlich anerkannt. Aber auch hier gilt: Von 1.000 Frauen, die regelmäßig am Screening teilnehmen, werden im Lauf des Lebens etwa 40 operativ an der Zervix behandelt, mit Konisationen, die in folgenden Schwangerschaften das Frühgeburtenrisiko erhöhen. Ein Teil dieser Behandlungen wäre nicht nötig gewesen, weil die Zellveränderungen sich von selbst zurückgebildet hätten.

Mein Fazit nach all diesen Zahlen: Die etablierten Vorsorgeuntersuchungen sind keine Vorsorge im wörtlichen Sinn. Sie sind Erkennung, manchmal früh, manchmal spät, und sie tragen eigene, nicht vernachlässigbare Schäden mit sich. Wer nur diese Untersuchungen wahrnimmt und sich dann sicher fühlt, hat in Wahrheit auf zwei Ebenen verloren: Er hat sich Risiken ausgesetzt, ohne den Stoffwechsel zu schauen, der wirklich entscheidet.

Labor ganzheitlich: die andere Diagnostik-Logik

An genau dieser Stelle setze ich mit Labor ganzheitlich an. Die Methode arbeitet mit denselben Laborwerten, die jedes deutsche Labor erhebt: Blutbild, Elektrolyte, Vitamine, Hormone, Entzündungsmarker. Der Unterschied liegt in der Interpretation. Ich stütze sie auf vier Grundbausteine:

  • Das kategoriale Ordnungssystem nach Max Lüscher (der Lüscher-Würfel) als Denkmodell, in dem polare Beziehungen und Wechselwirkungen sichtbar werden, etwa zwischen Aufbau- und Abbaustoffwechsel, zwischen Wärme und Kälte.
  • Den Zellstoffwechsel als kleinste Funktionseinheit und einheitliches Bezugssystem aller Werte.
  • Die Matrix als Zelle-Milieu-System: Keine Zelle lebt für sich, jede ist eingebettet in das Bindegewebe, das umgebende Milieu, die Säure-Basen-Lage.
  • Die Ampeldiagnostik, die Aufteilung des Normbereichs in drei Drittel.

Die ersten drei Bausteine sind Werkzeuge des Denkens. Der vierte, die Ampeldiagnostik, ist das, was die Methode für jeden Patienten unmittelbar greifbar macht. Sie ist das Herzstück.

Bevor ich darauf eingehe, noch ein Wort zum Unterschied zwischen Befund und Befinden. Die klinische Diagnostik kennt im Grunde nur zwei Zustände: gesund oder krank. Für die Notfallmedizin reicht das aus. Für die etwa 80 Prozent der Patienten, die chronisch krank oder funktionell gestört sind, ist diese Einteilung viel zu grob. Genau diese Patienten erleben das berühmte „Ihre Werte sind alle in Ordnung“, und gehen mit Schmerzen, Erschöpfung oder Verdauungsproblemen wieder nach Hause. Die Sprache der Zellen wird gehört, aber nicht verstanden.

Das Herzstück: Die Ampel und das mittlere Drittel als Optimum

Die Idee der Ampeldiagnostik ist denkbar einfach, und gerade deshalb so kraftvoll. Sie nimmt den von der klinischen Labormedizin definierten Normbereich und teilt ihn in drei Abschnitte:

  • Das mittlere Drittel ist grün: das Optimum, der Ort wirklicher Gesundheit.
  • Das untere und obere Drittel sind gelb: kein Krankheitsbefund, aber ein Hinweis auf eine funktionelle Regulationsstörung.
  • Werte außerhalb der Norm sind rot: der klinische Alarmbereich.


Was klingt wie eine Spielerei mit Farben, ist in Wirklichkeit eine grundsätzlich andere diagnostische Haltung. Wer nur schwarz-weiß denkt, sieht den gelben Bereich nicht; er sieht nur „normal“ oder „krank“. Genau in diesem gelben Bereich aber spielt sich die Stoffwechselentgleisung ab, die Jahre später zur Diagnose wird. Die Ampel macht sichtbar, was die schulmedizinische Norm ausblendet: Tendenzen. Die vier nachfolgenden Beispiele machen das konkret.

Eisen und Ferritin: die Marskräfte der inneren Stabilität

Ein Ferritin von 20 ng/l gilt klinisch als „normal“, die übliche Referenz reicht je nach Labor von etwa 17 bis 218. In meiner Lesart ist 20 jedoch untere Norm, also gelb. Ein Mensch mit diesem Wert ist nicht krank, aber er hat keine ausreichenden Eisenreserven für die Atmungskette in den Mitochondrien. Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Infektanfälligkeit, brüchige Haare sind die Folge: Symptome, mit denen ihn die Schulmedizin oft nach Hause schickt. In der analogen Betrachtung steht Eisen für die Marskräfte, für innere Stabilität, Mut, die Fähigkeit, sich abzugrenzen. Wenn diese Kraft fehlt, fehlt nicht nur Sauerstoff in den Zellen.


HS-CRP: das stille Feuer im Hintergrund

Das hochsensitive C-reaktive Protein (HS-CRP) gehört für mich zu den wichtigsten Markern der modernen Vorsorgemedizin. Während das klassische CRP vor allem akute Entzündungen sichtbar macht, erkennt HS-CRP bereits jene unterschwelligen Entzündungsprozesse, die oft jahrelang unbemerkt bleiben.

Diese sogenannte Silent Inflammation ist kein spektakulärer Vorgang. Sie verursacht meist weder Fieber noch Schmerzen und bleibt deshalb lange unerkannt. Dennoch beeinflusst sie nahezu alle Stoffwechselvorgänge. Sie erhöht den oxidativen Stress, belastet die Mitochondrien, stört Reparaturprozesse an DNA und Zellmembranen und schafft ein Milieu, in dem degenerative Erkrankungen leichter entstehen können. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten bringen diese niedriggradigen Entzündungen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Demenz und auch verschiedenen Krebserkrankungen in Verbindung.

Im Rahmen von Labor ganzheitlich betrachte ich HS-CRP deshalb als Frühwarnsystem. Es zeigt an, dass der Organismus Energie aufwenden muss, um einen unterschwelligen Entzündungsreiz zu kontrollieren. Die Ursachen können vielfältig sein: Fehlernährung, Darmbarrierestörungen, chronischer Stress, Schlafmangel, Umweltbelastungen oder stille Infektionsprozesse.

Wer HS-CRP regelmäßig kontrolliert, erhält einen Einblick in eine Ebene des Stoffwechsels, die weder durch Mammographie noch durch Koloskopie oder PSA-Test sichtbar wird. Gerade deshalb gehört dieser Marker für mich zu den wertvollsten Laborparametern einer echten Vorsorge. Er macht sichtbar, was lange im Verborgenen arbeitet – bevor daraus eine manifeste Erkrankung entsteht.


Vitamin D und das D-Hormon: die Doppelmessung

Beim Vitamin D zeigt sich besonders deutlich, wie wichtig das ganzheitliche Bild ist. Die Routinemessung des 25-OH-Vitamin-D3 sagt nichts darüber aus, wie viel davon in der biologisch aktiven Form, dem D-Hormon (1,25-OH-D), tatsächlich vorliegt. Ich bestimme deshalb beide Werte. Ist das Ausgangsvitamin niedrig, das D-Hormon aber hoch, liegt eine Konversionsstörung vor, meist mit chronisch-entzündlichem Hintergrund. Eine Hochdosistherapie mit Vitamin D wäre dann gefährlich: Ein zu hoher D-Hormon-Spiegel kann Entzündungen verstärken und ein Krebsgeschehen sogar fördern. Wer „einfach Vitamin D nimmt“, ohne diese Differenzierung zu machen, betreibt im schlechtesten Fall das Gegenteil von Vorsorge.


Die Krebsstoffwechsel-Vierheit

Wenn ich den Verdacht auf eine beginnende Stoffwechselentgleisung habe, schaue ich mir auch die vier Mineralstoffe: Kalium, Calcium, Natrium und Magnesium im Vollblut und im Serum an. Im Vollblut messen wir die Mineralstoffe intrazellulär und extrazellulär, im Serum nur den extrazellulären Anteil. Aus Sicht des Säure-Basen-Gleichgewichts wirken Kalium und Magnesium im Stoffwechsel sauer (direktiv), Natrium und Calcium hingegen basisch (direktiv). Warum das für eine Krebsvorsorge wichtig ist, möchte ich am folgenden Beispiel erläutern.


Die Interaktion der vier Elektrolyte ist nicht in Balance. Im Blutserum besteht ein Überschuss an Kalium und Magnesium und somit eine saure Matrix (Zellumgebung). In der Körperzelle fehlt es an Kalium und Magnesium, was zu einer intrazellulären metabolischen Alkalose führt. Die Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle) produzieren aufgrund des Kaliummangels nicht mehr in ausreichendem Maße Energie. Darüber hinaus führt der erhöhte Calciumgehalt zur Abdichtung der Zellwände der Mitochondrien. Dadurch steigt die Gefahr eines Gärungsstoffwechsels in der Körperzelle und somit auch das Krebsrisiko. Das ist für mich ein Alarmzeichen ersten Ranges, so wie Otto Warbung den Krebsstoffwechsel beschrieben hat.

Diese Konstellation, die ich als Frühzeichen werte, ist mit der Mammographie und Koloskopie nicht zu sehen. Mit einem einfachen Vollblut-Mineralprofil und der Lesart der Ampeldiagnostik sehr wohl.

Was die Ampel sichtbar macht, was die Schulmedizin übersieht

Die vier Beispiele waren nur ein Ausschnitt. Ich könnte die Liste fortsetzen: Homocystein als Hinweis auf einen Methylierungsdefekt, Zonulin und I-FABP als Marker einer Darmbarrierestörung, Cortisol-Tagesprofile zur Erkennung der Nebennierenermüdung, oxidiertes LDL als Frühindikator atherosklerotischer Prozesse. Jeder dieser Werte hat einen mittleren grünen Bereich, ein gelbes Vorfeld und eine rote Pathologie. Jeder dieser Werte wird in der schulmedizinischen Routine entweder nicht gemessen oder nur grob als „normal“ abgehakt. Drei Aspekte sind mir besonders wichtig.


Niedriggradige Entzündung als Krebs-Vorfeld

Chronische, unterschwellige Entzündungen sind heute als treibende Kraft hinter den meisten degenerativen Erkrankungen anerkannt, auch hinter Krebs. Sie verschieben die Energiegewinnung weg von den Mitochondrien, sie belasten die DNA-Reparatur, sie unterhalten ein Mikromilieu, in dem entartete Zellen leichter überleben. Die Ampeldiagnostik macht dieses stille Feuer mit HS-CRP, Eisen-Ferritin-Verhältnis, Differentialblutbild und IL-6 (wo verfügbar) sichtbar. Eine Mammographie sieht es niemals.

Der Jod-Brustkrebs-Zusammenhang

Asiatische Frauen erkranken deutlich seltener an Brustkrebs als Frauen in westlichen Ländern, etwa drei- bis viermal seltener. Lange wurde das mit dem Soja-Konsum erklärt. Inzwischen rückt eine andere Spur in den Blick: Jod. Asiatische Ernährung, gerade die japanische, enthält über Seetang und Algen ein Vielfaches der westlichen Jodaufnahme. Tierversuche zeigen, dass Jodmangel zu mastopathischen Veränderungen der Brust führt, und Studien an Frauen mit gutartiger Mastopathie belegen einen schützenden Effekt der Jodsubstitution. Die Brustdrüse nimmt, besonders in Schwangerschaft und Stillzeit, Jod auf, manchmal sogar mehr als die Schilddrüse selbst. Wer Jodmangel hat, hat keinen Mammakarzinom-Risikofaktor in der Mammographie sichtbar, wohl aber im Labor.

Die anthroposophische Sicht: Wärme und Rhythmus

Die anthroposophische Medizin, etwa Franziska Roemer in den Therapiekonzepten der Anthroposophischen Medizin, versteht die Brust als Organ des mittleren rhythmischen Systems. Mastopathie wird als Ausdruck einer Disharmonie zwischen den formenden Kräften des Nerven-Sinnes-Systems und den auflösenden Kräften des Stoffwechselsystems gelesen. Mistelpräparate, etwa Iscucin oder Iscador, wirken hier wärmeanregend und der Karzinogenese entgegen. Auch wenn man dieser Sprache nicht in jedem Begriff folgt, lohnt es sich zuzuhören: Die Wärmeorganisation des Menschen ist messbar, etwa über Cortisol-DHEAS-Tagesprofile, Mundtemperaturmessung 4 x täglich über mindestens 3 Tage und ein vollständiges Schilddrüsenprofil (TSH, freies T4, freies T3 und Reverse T3). Auch das ist Vorsorge. 

Vom Befund zum Handeln: Vorsorge, die wirkt

Eine Mammographie endet mit „auffällig“ oder „unauffällig“. Eine Ampelauswertung endet mit Handlungsspielraum. Genau das ist der Unterschied. Wer einen gelben Wert sieht, hat in der Regel mehrere Jahre Zeit, gegenzusteuern: mit Ernährung, Bewegung, Mikronährstoffen, Mikrobiom-Aufbau, Stressregulation. Genau in diesem Zeitraum entscheidet sich, ob die gelbe Ampel ins Grüne zurückkehrt oder ob sie irgendwann ins Rote kippt.

In meiner Praxis arbeite ich mit dem Stoffwechselprogramm gesund + aktiv, das die individuelle genetische und epigenetische Stoffwechselprägung berücksichtigt. Es ist kein pauschales Ernährungskonzept, sondern eine maßgeschneiderte Antwort auf das, was die Ampel zeigt. Die Erfahrung aus über 40 Jahren ist eindeutig: Wenn der Stoffwechsel rechtzeitig korrigiert wird, müssen viele Krankheiten, und ja, auch viele Krebserkrankungen, gar nicht erst entstehen.

Konkrete Stellschrauben sind:

  • Mikronährstoffe gezielt einsetzen, nicht pauschal: Eisen nur bei nachgewiesenem Mangel; Vitamin D nur nach Doppelmessung; Magnesium und Kalium im Vollblut prüfen, bevor man supplementiert.
  • Den Darm als Wurzel der Gesundheit pflegen: Zonulin, I-FABP, Aktivität der Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse ergeben hier ein präzises Bild, ohne Polyethylenglykol und ohne Sedierung.
  • Das stille Feuer löschen: HS-CRP regelmäßig messen, Auslöser identifizieren (Zucker, Fehlernährung, Schlafmangel, chronischer Stress, Umweltbelastung).
  • Die Wärmeorganisation stützen: Schilddrüsen-Vollprofil, Cortisol-Tagesprofil, Temperaturprotokolle. Was kalt ist, neigt zur Degeneration (Krebs zählt zu den neurodegenerativen Erkrankungen).
  • Hormonell ausgleichen: Östrogendominanzen erkennen (Östradiol, Östriol, Progesteron, Pregnenolon, DHEA), bevor sie zur Mastopathie oder zum Myom werden.

Mein Plädoyer

Ich bin nicht gegen die Schulmedizin. Ich bin nicht gegen Mammographie, Koloskopie oder PSA-Test, wenn sie aus konkretem Anlass und mit klarer Aufklärung über Nutzen und Schaden eingesetzt werden. Wogegen ich mich wende, ist die verbreitete Gleichsetzung von Krebsfrüherkennung mit Vorsorge. Diese Gleichsetzung ist sprachlich falsch und sachlich gefährlich, weil sie den Blick auf das verstellt, was wirklich vorsorglich wirken könnte: das Lesen der Stoffwechselsprache, bevor die Zellen schreien müssen.

Die Ampel im Blut ist kein esoterisches Modell. Sie ist eine konsequente Anwendung der Erkenntnis, dass Gesundheit nicht „Abwesenheit von Krankheit“ ist, sondern ein aktives Optimum, und dass dieses Optimum messbar ist. Wer dieses Optimum kennt und weiß, wo er gerade steht, kann handeln. Er muss nicht warten, bis die Mammographie etwas findet. Er muss nicht hoffen, dass der PSA niedrig bleibt. Er kann sein Grün pflegen und sein Gelb ernst nehmen.

Das ist Vorsorge, wie ich sie verstehe und wie ich sie meinen Patientinnen und Patienten seit über 40 Jahren empfehle. Sie ist anstrengender als ein Routinetermin alle zwei Jahre. Sie verlangt Eigenverantwortung, ein wenig Wissen, einen Therapeuten, der die Ampel lesen kann. Aber sie verdient ihren Namen. Und sie schützt am Ende mehr Menschen als jede Maschine.

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